Elektromagnetische Verträglichkeit

Die elektrifizierte Elztalbahn wird auf einer Frequenz von 16,7Hz und mit einer 15.000 Volt-Oberleitung (15kV) betrieben. Hierbei entstehen niederfrequente Wechselfelder. Bei Straßenbahnen und S-Bahnen entsteht kein Wechselfeld, da sie in der Regel mit 750 Volt Gleichstrom fahren.

Messungen der Elztalbahn-BI an der mit der Elztalbahn vergleichbaren bereits elektrifizierten Münstertalbahn haben folgende zu erwartende Belastungen, nur aus Bahnstrom, ergeben: Eine erste Messung haben wir in Staufen in einem Reihenhaus im Abstand von 10 Metern zur Gleismitte durchgeführt. Hier hatten wir im 95. Perzentil einen Wert von 0,7 Mikrotesla. Eine zweite Messung haben wir in Bad Krozingen in einem Haus im Abstand von 10 Metern zur Gleismitte durchgeführt. Hier hatten wir im 95. Perzentil einen Wert von 0,9 Mikrotesla. Somit ergibt sich ein Mittelwert von = 0,2 - 0,35 Mikrotesla.   

Elztalbahn / Münstertalbahn (65 Züge / 24 Stunden / eingleisig): Anwohner mit einem Hausabstand zur Gleismitte von 10 m werden einer Dauerbelastung von 0,2 - 0,35 µT (Mikrotesla) ausgesetzt sein. Anwohner mit einem Hausabstand zur Gleismitte von 7m werden erheblich höheren Dauerbelastungen ausgesetzt sein. Anwohner im Bereich von Bahnhöfen werden je nach Abstand zur Gleismitte durch Beschleunigen und Abbremsen der Züge doppelt so hohen Dauerbelastungen wie oben angegeben ausgesetzt sein. Zum Vergleich: Anwohner an der Rheintalbahn (290 Züge / 24 Stunden / zweigleisig) mit einem Hausabstand zur Trassenmitte von 30m (in der Regel) sind Dauerbelastungen von 0,05 µT ausgesetzt. Der Bereich der von der WHO / IARC als möglicherweise krebserregend eingestuften Werte liegt zwischen 0,3 - 0,4 µT. (Doppeltes Risiko einer Kinderleukämie).

Grenzwerte Bahnstrom: In Deutschland liegt der Grenzwert bei 300,0 Mikrotesla. Dieser Immissionsgrenzwert zur Gefahrenabwehr darf kurzzeitige Expositionen von 300 Mikrotesla unter Höchstlast nicht überschreiten. Ab November 2015 gilt ein Minimierungsgebot für neu zu bauende Anlagen. In der Schweiz liegt der Grenzwert bei 1,0 Mikrotesla. Dieser Grenzwert zur Emissionsbegrenzung durch einen Anlagegrenzwert ist ein Vorsorgegrenzwert. Dieser Grenzwert darf 1 Mikrotesla (gemessen innerhalb von 24-Std. als Mittelwert), bei neu installierten Anlagen ab dem Jahr 2000, nicht überschreiten.

Der viel zu hoch angesetzte gesetzliche Grenzwert für Bahnstrom, wird in der kurzen Zeit (Kurzzeitexposition) in der ein Zug vorbeifährt immer eingehalten. Der Grenzwert ist somit auf Kurzzeitexpositionen angelegt. Allerdings sind für die Gesundheit der Anwohner die kontinuierlichen Belastungen über einen langen Zeitraum, über Jahre und Jahrzehnte (Langzeitexpositionen) entscheidend und wurden bei der Festlegung des Grenzwertes überhaupt nicht berücksichtigt. Somit ist der gesetzliche Grenzwert obsolet.

Niederfrequente elektromagnetische Wechselfelder stehen laut WHO und IARC, u.a. im Verdacht, "möglicherweise krebserregend" zu wirken und auch das BfS hat mittlerweile ein krankmachendes Potential bestätigt. Hunderte unabhängige wissenschaftliche Studien belegen zudem einen Zusammenhang von niederfrequenten elektromagnetischen Wechselfeldern und einer 2-3-fach erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Kinderleukämie und Tumorerkrankungen ab einer Dauerbelastung von 0,3 - 0,4 Mikrotesla. Die gesundheitlich unbedenklichen Werte liegen unter 0,2 Mikrotesla. Im Schlafbereich werden Werte von 0,02 Mikrotesla empfohlen. Deswegen fordern wir den bestmöglichen Schutz vor niederfrequenten Feldern nach dem neuesten Stand der Technik und nicht den üblichen veralteten Standard. Niederfrequente elektromagnetische Felder verursachen u.a. Übelkeit, Kopfschmerzen, Depressionen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen und fördert u.a. Parkinson und Alzheimer. In über 1000 m Entfernung zur Bahntrasse sind die elektromagnetischen Felder noch nachweisbar. Sogenannte vagabundierende Rückströme gelangen in die Häuser ganzer Wohnviertel über metallische Wasser-/ Gasleitungen. Der Einwirkungsbereich von Bahnstrom wird von der DB selbst mit immerhin 100 m angegeben. Massiv werden die elektromagnetischen Felder für Anwohner im 20-30 Meter-Gefahrenbereich-Bahnstrom zur Gleismitte.  An der Elztalbahn als Nebenstrecke ist aufgrund der sehr oft sehr nahen Bebauung zum Gleiskörper, oft nur 6-7m, von massiven Belastungen auszugehen. An bereits elektrifizierten Hauptstrecken wie der Rheintalbahn stehen nur sehr selten Häuser im 20-30-Meter-Bereich. Diese Tatsache wird leider überhaupt nicht berücksichtigt. Von Wissenschaftlern wird ein Vorsorgeabstand zur Gleismitte, zu Räumen in denen sich Säuglinge, Kinder und Schwangere nicht nur vorrübergehend aufhalten, von 30 m angegeben. In Österreich gibt es im Gefahrenbereich Bahnstrom -12 Meter ab Gleismitte- eine Bauverbotszone. Bei neu zu elektrifizierenden Bahnstrecken sollten zudem bei "besonderen Schutzbereichen wie z.B. Spielplätzen, Kindergärten und Schulen, Mindestabstände eingehalten werden. Das Risiko von Alzheimer und seniler Demenz ist bei SBB-Lokführern in Abhängigkeit der beruflichen Magnetfeldexposition bei 15kV / 16,7 Hz statistisch signifikant erhöht. Zudem geht es hier um gesunde erwachsene Menschen und nicht um Säuglinge, Kinder, Schwangere und alte oder kranke Menschen.  

Die Bundesregierung hat am 11.11.2015 eine Allgemeine Verwaltungs­vorschrift Drucksache 547/15 über die Anforderungen an das Minimierungsprinzip erlassen und dem Bundesrat zur Zustimmung zugeleitet. Das betrifft auch elektro-magnetische Wechselfelder aus Bahnstromanlagen mit 16,7 Hz und 15kV. Die Bundesregierung unter Dr. Angela Merkel hat somit die gesundheitsgefährdenden Belastungen aus Bahnstrom, welche auf die Anwohner schädlich einwirken erkannt und unterbreitet nun technische Minimierungsmöglichkeiten. Allein der Einbau von Rückleitern würde die Belastung um 50% reduzieren.

Dieselruß wird als "wahrscheinlich krebserregend" angesetzt. Niederfrequente elektromagnetische Wechselfelder als "möglicherweise krebserregend". Somit ist Dieselruß eine Kategorie höher angesetzt. D.h., dass elektromagnetische Felder nach momentanem wissenschaftlichem Kenntnisstand nur im Verdacht stehen krebserregend zu wirken. Ausgeschlossen wird ein Krebsrisiko deshalb jedoch nicht. Die wissenschaftliche Diskussion gilt nicht als beendet: "Ein Unschädlichkeitsbeweis fehlt ebenfalls"(Deutsches Krebsforschungszentrum dkfz). Vor Kurzem erst wurden diese magnetischen Felder eine Kategorie heraufgesetzt. Tendenz steigend. Falls in den nächsten Jahren durch weitere Forschungen und Untersuchungen diese Felder eine weitere Kategorie heraufgesetzt werden sollten, wovon auszugehen ist, könnte man von einer Verbesserung des Emissionsschutzes durch Elektrifizierung nicht mehr sprechen. Schon gar nicht unter den besonderen Gegebenheiten der Elztalbahn durch sehr nahe Bebauung und somit deutlichen Mehr- und Dauerbelastungen durch Bahnstrom. Ganz zu schweigen vom fraglichen Klimaschutz und eines wirklichen Fortschritts durch Elektrifizierung, da der Bahnstrommix immerhin noch zu 58% aus Atom- und Kohlekraftwerken stammt und somit eine Abkehr von fossilen Brennstoffen nicht zu erkennen ist. Die Deutsche Bahn kann eben nicht sagen: "Es bestehe keine Gefahr für Menschen. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch den Bahnstrom sei nicht zu befürchten." Warum die Bundesregierung nach der Verwaltungsvorschrift trotzdem Minimierungsprüfungen vorschreibt, wenn laut DB keine Gesundheitsgefahr besteht, ist für die BI nicht nachvollziehbar. Bei einer Elektrifizierung nach niedrigstem technischen Standard sind deutlich mehr Bürger von gesundheitsgefährdenden Emissionen betroffen als allgemein vermutet wird. Durch die Verschärfung der Anforderungen in der Verwaltungsvorschrift der Bundesregierung, fühlen wir uns in unseren Ängsten und Bedenken gegenüber niederfrequenten elektromagnetischen Feldern, welche von den Oberleitungen ausgehen und auf die Bahnanrainer schädlich einwirken, bestätigt.

Bei einer Veranstaltung in Elzach wurden unter anderem zum Thema "elektromagnetische Verträglichkeit" Langzeitwerte bzw. 24-Std.-Mittelwerte an einer Bahnstrecke mit zwischen 0,2 - 0,3 Mikrotesla angegeben. Kurz darauf wurden Kurzzeitwerte von einer elektrischen Zahnbürste mit 75,0 Mikrotesla angegeben. Dies suggerierte jedem Besucher, dass die elektrische Zahnbürste schädlicher ist als Bahnstrom. Allerdings wurde nicht erwähnt, dass man sich erstens auch gegen eine elektrische Zahnbürste entscheiden kann, was beim Bahnstrom nicht möglich ist. Und zweitens eine elektrische Zahnbürste am Tag lediglich wenige Minuten in Gebrauch ist, im Vergleich zum Bahnstrom, welcher über Jahre und Jahrzehnte hinweg 24-Std. am Tag auf die Anwohner einwirkt. Auch wurde gesagt, dass "direkt bei einer Oberleitung nur 5 und im Umfeld von Bahnstrecken nur 0,16 Mikrotesla erreicht werden und das auch nur wenn ein Zug fährt". Allerdings werden direkt bei einer Oberleitung weit über 100 Mikrotesla erreicht, wenn ein Zug fährt. Und 0,16 Mikrotesla werden auch nicht pro Zug (65 Züge / 24 Std.) sondern -wenn dann- pro Minute (1440 Minuten / 24 Std.) erreicht, da es sich hier um einen 24-Std.-Mittelwert handelt. Zudem ist der Mittelwert auch vom Abstand zum Gleis abhängig und deswegen die Angabe "im Umfeld" sehr unkonkret.

 

Links zum Thema Elektrosmog:
www.emf-institut.de/Gutachten/gutachten-poll.pdf 

www.ktipp.ch/artikel/d/der-kluge-wohnt-nicht-neben-dem-zuge/

www.wohngesundheit.ch/_PDF-Dateien/12_13_Bahnstrom.pdf

www.bundesrat.de/drs.html?id=547-15

www.emf-portal.de/viewer.php?aid=15435&l=g